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Ist das DarkNet doch nicht so anonym?

Ich kann das nicht deutlich genug und immer wieder sagen: So anonym, wie das DarkNet scheint, ist es nicht! Der Polizei München ist in Zusammenarbeit mit dem BKA ein Schlag gegen das größte deutsche DarkNet-Forum mit angeschlossenem Shop gelungen. Dort waren 20.000 Mitglieder registriert, von denen nun vermutlich eine nicht geringe Anzahl in den nächsten Wochen und Monaten Besuch von den Ermittlungsbehörden bekommen werden.

Germanyhusicaysx.onion

Die Webseiten mit der Endung Onion lassen sich nur über den TOR-Browser aufrufen, sind also aus dem "”normalen” Internet nicht erreichbar. Wie diese Technik funktioniert, können Sie hier nachlesen. Grob ausgedrückt ist der Sinn dieses Netzwerkes die absolute Anonymität. Für das DarkNet gibt es auch keine Suchmaschine, sondern nur Web-Kataloge, die man im Netz auch erst mal finden muss. Eines der bekanntesten Kataloge ist die Seiten HiddenWiki. Die Links auf dieser Webseite funktionieren ausschließlich mit dem TOR-Browser:

dark001

Wenn Sie die Webseite mit dem Namen Germanyhusicaysx.onion aufrufen, bekommen Sie inzwischen das hier zu sehen: Das BKA konnte den Server, zu dem der Link führte finden und einen Hinweis anbringen. Das Forum selbst wurde vom Netz genommen:

TOR

Wie haben die das gemacht?

Es dauert manchmal Jahre, bis man dem Betreiber auf die Schliche kommt, aber irgendwann machen alle Fehler. In den USA wurde ein riesiger Kinderpornoring enttarnt, weil die User schlicht vergessen hatten in ihren Browsern das Adobe Flashplugin zu deaktivieren. Die Besucher dieses sehr aktiven Kinderpornorings hatten zwar fast alle daran gedacht ihre IP zu verschleiern und über Proxys zu surfen, der FlashPlayer von Adobe überträgt aber immer die Original-IP. So konnte man Hunderte von Besuchern des Forums und auch die Betreiber erwischen. Bei einer weltweiten Razzia wurden mehr als 900 Personen verhaftet.

2015 wurde in Deutschland der als Kinderzimmer-Dealer bekannt gewordene Maximilian S. verhaftet, der mehr als eine Tonne Drogen im Darknet vertickt und mehr als vier Millionen Euro dabei verdient hatte. Ihm kamen die Ermittler auf die Schliche, weil er eines der Pakete, die er tatsächlich in seinem Kinderzimmer verpackte, falsch adressierte. Da der Postbeamte keinen Absender auf dem Paket finden konnte, öffnete er es und fand die Drogen darin. Daraufhin informierte er die Kripo. Hier dauerte es dann auch noch ein paar Wochen, bis Maximilian S. verhaftet werden konnte.

Wie die Polizei dem Betreiber des Forums Deutschland im DeepWeb (DiDW), welches unter der Adresse germanyhusicaysx.onion im DarkNet zu finden war, auf die Schliche gekommen sind, wurde nicht bekannt gegeben. In diesem Forum gab es auch einen Marktplatz, in dem allerlei illegale Dinge angeboten wurde. Neben jeder Art von Drogen gab es auch Waffen, sowie Falschgeld. Betrieben wurde das Forum von einem Einzeltäter, einem 30-jährigen Mann aus Karlsruhe.

Der Amoklauf vom 22.7.2016 in München

Im Visier der Ermittler war das Forum bereits seitdem bekannt wurde, das David S. die Waffe, mit der er am 22.7.2016 im Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen hatte, genau auf dieser Plattform gekauft hatte. Der Verkäufer der Waffe fiel später auf einen vom BKA fingierten weiteren Waffenkauf herein und konnte ebenfalls verhaftet werden.

Das DarkNet ist also doch nicht anonym?

Das DarkNet ist genauso anonym oder nicht anonym wie das normal Internet. Wenn Sie sich schützen, wie das geht habe ich in diesem Artikel beschrieben, dann sind Sie von der technischen Seite her zu 99% anonym im Internet unterwegs. Das eine Prozent ist dem Browser Fingerprint geschuldet.

Aber in einem Shop gibt es immer einen Käufer und einen Verkäufer. Diese müssen, in irgendeiner Form, in der realen Welt außerhalb des Internets zusammengebracht werden. Der Käufer schickt Geld als Bezahlung, der Verkäufer muss die Ware verschicken. Und irgendwann, da muss man nur Geduld haben, macht er einen Fehler. Menschen machen immer Fehler. Vielleicht gibt der Verkäufer die Pakete immer in Postämtern eines bestimmtes Radius ab, oder auf dem beigelegten Magazin für eine Waffe ist ein Fingerabdruck, oder auf der Tüte für die Drogen, oder auf dem Paketband oder die Zeitung, mit der die Waffe eingewickelt war lässt den Verkäufer einem Ort zuweisen. Ermittler sind nicht doof und stellenweise sehr, sehr geduldig.

Melden Sie solche Webseiten aus dem DarkNet

Ich selbst habe schon ein Kinderpornoforum aus dem DarkNet an das BKA gemeldet. Dieses Forum war zwar über einen Onion-Link erreichbar, benutzte dann aber eine ganz normale Webadresse incl. eigener Domain als Weiterleitung. In diesem Forum haben mehr als 2.000 Mitglieder völlig frei zugänglich kinderpornografisches Material getauscht, welches sogar von Besuchern des Forums heruntergeladen werden konnte. Das bedeutet, das man keine Anmeldung in dem Forum brauchte, um an das Material zu kommen. Ich bin durch Zufall auf diesen Link gestoßen und habe sofort das BKA per Telefon und dann per Mail benachrichtigt. Sie brauchen sich da keine Sorgen zu machen, dass das BKA bei Ihnen auftaucht und Ihren Rechner beschlagnahmt, denn diese Spezialeinheit ist auch auf Mithilfe aus der Bevölkerung angewiesen. Löschen Sie danach unbedingt den Cache Ihres Browser, denn selbst wenn Sie solche Bilder nur im Browsercache haben, machen Sie sich strafbar!

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