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Katzenglück oder Katzenfrust

Ich möchte es allen, die vorhaben sich eine oder zwei Hauskatzen anzuschaffen, sehr laut entgegenschreien "MACHT ES NICHT! LASST ES BLEIBEN!". Warum? Weil man sich mit zwei Katzen das Chaos ins Haus holt, diese Biester sind schlimmer als alles, was Du Dir vorstellen kannst. Sie sind laut, schnell, machen unheimlichen Dreck, sie stinken und kosten richtig, richtig Geld. Mit den Anschaffungskosten für die Katzen selbst, sowie einem Kratzbaum, Katzenklo und Futter ist es bei Weitem nicht getan.

Zwei Familienmitglieder?

Katzen sind keine Familienmitglieder, sie sind Tyrannen in Katzenform. Ich hätte mir das nicht träumen lassen, was diese zwei Biester für einen Aufwand erzeugen. Sie gehören nicht zur Familie, denn dazu ist eine gewissen Integration in den Familienverband nötig, und Katzen pfeifen auf den Familienverband. Von dem Tag an, an dem sie in Dein Leben treten, sind sie die unangefochten die Chefs, alles dreht sich nur noch um sie. Und das meine ich nicht im guten Sinn, im Gegenteil, ich bin völlig entsetzt wie sich die in der Welt vorhandenen Meinung über Katzen wirklich eklatant von der Wirklichkeit unterscheidet. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe (wir hatten als Kinder viele Katzen), aber das was ich bekommen habe, würde ich sehr, sehr gerne wieder rückgängig machen. Hätte ich meine Tochter nicht (die ja den halben Tag nicht da ist), ich hätte diese Viecher längst im Wald ausgesetzt.

Katzen kosten richtig Geld

Wir haben sie noch nicht lange, ein Kater und eine Katze. Die Anschaffungskosten beliefen sich auf etwa 200 Euro, Grundausstattung inklusive. Es ging erst richtig los, als der Kater kastriert und die Katze sterilisiert wurden. Das kostete schon 250 Euro für beide. Dann der Schock, die Katze erholt sich nicht, also zwei Mal zum Tierarzt (150 Euro) und dann in die Tierklinik. Die Katze hat Nierenversagen. das mich nochmal 600 Euro gekostet hat! Insgesamt kostete mich die Katze also über 900 Euro. Das muss man erstmal haben, 900 Euro! Die 600 Euro der Klinik kann ich in Raten bezahlen, sonst hätte ich die Spritze gewählt, die kostet 50 Euro. Nochmal mache ich das auch nicht. Wenn eine der Katzen erneut krank werden sollte, lasse ich sie einschläfern. Ich bin doch kein Geldscheißer!

Katzen kennen keine Regeln oder Verbote

Katzen kennen absolut keine Verbote, es interessiert sie einfach nicht. Sie klettern absolut überall hoch, und ich meine überall. Selbst vor Vorhängen machen sie nicht halt, sie klettern an ihnen komplett nach oben und trauen sich dann nicht mehr runter. Jedes Regal, egal wie vollgestellt oder wie hoch es ist, wird erklettert. Komme was wolle, Verluste inklusive. Sobald sich nur ein winziger Platz für die Pfote findet, springt die Katze drauf, nachdem sie allerdings erst mehrere Minuten die Gefahren abgeschätzt  hat. Die ihr dann am Ende aber auch egal sind. Sie will auf das Regal, sie geht auf das Regal. Muss man eine Wohnung kindersicher machen, wenn man Nachwuchs bekommt, ist gegen Katzen kein Kraut gewachsen. Sie müssten entweder alle offenen Regale aus der Wohnung entfernen oder sich geschlossene Schränke anschaffen. Fensterbänke, egal wie viele Blumentöpfe darauf stehen, haben dabei eine besondere Anziehungskraft, die Töpfe werden einfach runtergeworfen. Alles, was im Weg ist, muss weg.

Das gleiche gilt für noch so schmale Ecken in der Wohnung. Passt der Kopf rein, passt die ganze Katze hinterher. In der Küche habe ich beide Katzen mehrfach unter der Spüle hervorholen müssen, weil sie durch einen vier Zentimeter großen Spalt unter die Spüle gekommen sind. Dort konnten sie nicht mehr umdrehen und erwarten dann sofort, unter großem Wehklagen, dass ihr gefälligst jemand zu Hilfe kommt. Diesen Spalt haben wir nun zugenagelt, aber jeder noch so schmale weitere Spalt stellt eine immense Herausforderung für die Katze dar, der sie liebend gerne nachkommt. Sie will da rein, warum auch immer, dann geht sie auch da rein. Hinter den Fernseher, hinter den Computer, hinter den Schreibtisch, hinter die Schublade in der Kommode, wo sie dann auch nicht mehr rauskam, ich musste die komplette Schubladen im unteren Bereich rausschrauben, unter und hinter die Sofas, unter und hinter die Betten. Dann sind sie erst mal weg und man bemerkt sie erst wieder, wenn sie in Not sind.

Wir haben mehrere Plätze, auf denen die Katzen nichts verloren haben. Dazu zählt die Arbeitsplatte in der Küche und der Esstisch. Da die Katzen immer wieder, wenn sie ihren Kot vergraben in ihre eigene Scheiße treten, ist dies sicher verständlich. Ebendso verboten ist eines der Zimmer, da wir dort Wäsche trocknen und nichts Schöneres für eine Katze, als diese Wäsche als Leiter  zu benutzen, sowie die große, schmale Abstellkammer, da bekommen wir sie nie wieder raus.

Von all diesen verbotenen Orten habe ich sie schon tausend Mal verjagt. Interessiert die Katzen das? Nicht die Bohne! Ich habe einen Wassersprüher, mit denen ich sie nass machen, wenn ich sie dort erwische. Doch das Kurzzeitgedächtnis dieser Biester ist so klein, dass man das jeden Tag aufs Neue einfordern muss. Erwische ich sie dort, springen sie so schnell ihre Tatzen tragen davon, denn Verbote zu ignorieren ist ja gut und schön, aber nass zu werden muss nun wirklich nicht sein. Dieses Verhalten zeigt, dass die Katzen ganz genau wissen, dass sie da nichts, aber auch gar nichts verloren haben. Es juckt sie aber nicht, pfff, wer bin ich schon, dass ich ihnen Orte verbiete? Mich macht das wahnsinnig, wirklich, ich wollte einen Hund haben, wen man zu dem sagt er soll da sitzen bleiben, dann macht der das auch. Aber keiner meiner Weiber wollte vier Mal am Tag mit dem Hund raus. Ich habe jetzt den Salat und den Ärger.

Noch ein Beispiel, ich lasse die Katzen nicht auf meinen Schreibtisch wenn ich hier arbeite, denn sie laufen grundsätzlich, alle beide, über die Tastatur und ich hasse das. Rechts von mir steht der zweite Schreibtisch mit ihren Kisten, in denen sie sich immer hinlegen. Neko (die Katze) springt auch auf diesen Tisch und legt sich, weil sie begriffen hat, dass sie auf meinem Schreibtisch nichts verloren hat (ein Wunder). Dem Kater (Shadow oder Tiger) ist das vollkommen egal, er weiß zwar dass ich ihn sofort auf den zweiten Schreibtisch hebe, er springt aber fast immer links von mir auf meinen Schreibtisch, um dann wie ein geölter Blitz (damit ich ihn nicht erwische), direkt über meine Tastatur auf den zweiten Schreibtisch zu sprinten, wo er sich dann in seine Liste legt und mich mit wirklich, und ich betone das: wirklich überheblichem Blick anschaut als wollte er sagen: "Ich bin hier der Chef!"

Katzen haben Rituale

Wenn es allerdings um das eigene Wohlbefinden geht, da funktioniert das Gedächtnis auf einmal völlig zufriedenstellend. Pünktlich um sieben Uhr morgens kratzen sie bereits an meiner Türe (wenn ich schlafe, sperre ich die Katzen aus), denn um diese Uhrzeit stehe ich auf und füttere sie zum ersten Mal. Dann laufen sie mir vor den Füßen herum, ich kann kaum einen Schritt vor den anderen machen, beißen mir in die Wade (was ich mit einem gezielten Tritt quittiere) und gebären sich wie wild, um zu ihrem Recht zu kommen. Steht das Fressen dann, dauert es keine fünf Minuten (falls man mit den angebotenen Speisen auch zufrieden war), weil die Herrschaften fordern weiteres Recht ein. Meine Tochter hatte sich angewöhnt die übrig gebliebene (laktosefrei) Milch den Katzen zu geben, was sich diese natürlich gemerkt haben und diese Milch nun auch einfordern, auch wenn meine Tochter gar nicht gefrühstückt hat. Und was mache ich Hornochse? Ich stelle ihnen Milch hin! Ist die Schüssel leer, sind sie aber immer noch nicht zufrieden, denn jetzt verfolgt und nervt mich die Katze so lange, bis ich ihr im Badezimmer den Wasserhahn am Waschbecken aufmache und sie sich dort ausgiebig bedienen kann. Erst dann ist Ruhe. Ist das zu fassen?

Alles was man nicht fressen kann….

eignet sich zum Spielen. Vor den Katzen ist nichts sicher. Man könnte ja annehmen, alles was auf dem Boden liegt gehört den Katzen, aber es muss eher heißen: Alles was die Katze auf den Boden befördern kann gehört dann auch ihr. Die spielen mit allem, was sie finden. Deckel (die noch benötigt werden), USB-Sticks, Geldscheine, Wollknäuel, Toilettenpapier, Küchentücherrollen, vor allem aber Verpackungen von Fleisch, aus denen dann das Abtropffließ gefressen wird, aber auch Küchentücher, mit denen ich die Pfanne ausgerieben habe (die werden dann auch gefressen).

Wenn es aber danach riecht, dass man es fressen könnte, kennen Katzen absolut kein Erbarmen. Steht eine Packung Semmelknödel im Regal und lässt sich diese Packung erreichen, wird sie erst auf den Boden befördert, dann solange bearbeitet bis zuerst die Papierverpackung offen ist, danach ist die Aluminiumverpackung der Knödel dran, aus der die Knödel dann ins Freie befördert werden. Jetzt stört nur noch die Verpackung der Knödel selbst und am nächsten Morgen liegen vier bis sechs offene Knödelkochbeutel im Flur, deren Inhalt verstreut wurde. Klar haben die Katzen bemerkt, dass das nicht genießbar ist, aber das Öffnen hat soviel Spaß gemacht, sodass mal eben alle öffnen musste. Was soll man dazu sagen? Soll man dieses Verhalten schön finden? Sicher nicht. Bestrafen geht nach Stunden auch nicht mehr, vor allem weil Bestrafung einer Katze überhaupt nichts bringt. Gar nichts!

Katzen sind Stalker

Egal in welches Zimmer man geht, beide Katzen sind immer dabei. Selbst wenn sie sich, während ich hier am Schreibtisch arbeite (ich habe zwei Kartons für sie auf meinem zweiten Tisch daneben gestellt, wo sie sich immer reinlegen) nur für Minuten hingelegt haben und scheinbar dösen, stehen sie sofort auf, wenn ich mir einen Kaffee holen. Sie gehen mit. Wenn ich auf die Toilette gehe. Sie gehen mit. Wenn ich an die Türe gehe, weil es geklingelt hat. Sie gehen mit. Wenn ich in die Küche gehe. Sie gehen mit. Wenn ich in die Waschküche gehe. Sie gehen mit. Wenn ich Wäsche aufhänge. Ja, das dürft ihr mal versuchen, ich hab den Wassersprüher dabei! Ist denen aber egal, sie gehen trotzdem mit und werden dann durch meinen Wasserstrahl nass. Selbst wenn ich nur 30 Sekunden brauche und mich dann wieder an den Schreibtisch setze, sie erheben sich und gehen mit. Was wollt ihr von mir? Ihr müsst mich nicht kontrollieren, ich bin erwachsen, ich kann das alleine!

Und man hat das Gefühl, es geht immer nur ums Fressen. Wenn ich in die Küche gehe, schließe ich oft die Türe, weil ich einfach nicht kochen kann, wenn ich bettelnde, sabbernde, wehklagende, ständig auf die Arbeitsplatte springende (trotz mehrfacher Wasserwarnung) Katzen habe, die mir vor den Füßen herumrennen, mich beißen (was ich wieder mit einem Tritt beantworte), miauen und ständig an meine Hände springen weil sie denken, ich hätte da was zu fressen. Das nervt. Leute, das nervt. Kann mir bitte jemand diese Katzen abnehmen?

Sitze ich dann abends auf der Couch und möchte in Ruhe einen Film schauen, geht der Terror erst richtig los. Der Kater fordert, und dabei ist dieses Wort noch sehr milde ausgedrückt, sofort seine Streicheleinheiten und zwar in einer Form, wie ich es nie gedacht hätte. Aufdringlich ist dabei  noch untertrieben, das ist unfassbar was der anstellt, nur um von mir gestreichelt zu werden. Ich lasse dass dann ein paar Minuten zu und knuddel in kräftig durch, dann setze ich ihn runter. Ist ihm egal, er macht sofort kehrt und springt wieder hoch. Also setze ich ihn wieder runter. Was fällt mir ein? Er springt wieder hoch und ich setze ihn wieder runter. Jetzt schleicht er ein paar Minuten um mich rum, springt dann wieder hoch und ich setze ihn wieder runter.

Mein Fazit

Die Katzen gehören meiner Tochter, aber ich habe 80% der Arbeit am Hals. Alle Eltern kennen das. Meine Tochter wohnt wohl noch so fünf Jahre hier, dann wird sie ausziehen und die Katzen mitnehmen. Das war meine Bedingung. Kann sie die Katzen nicht mitnehmen, drehe ich den Viechern eigenhändig den Hals um für die jahrelange Folter, die sie mir angetan haben. Nein, Spaß. Kann Franzi die Katzen nicht mitnehmen, setze ich sie irgendwo im Wald aus und hoffe, dass sie von einem Wolf gefressen werden. Nee, ist ja gut. Ich packe sie ins Tierheim. Denn ich wollte die Viecher nie haben und jetzt weiß ich auch warum. Ich wollte einen Hund.


© Gerd Höller / Keine Vervielfältigung, in welcher Form auch immer! Auch nicht auszugsweise! 


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